|
Keine Angst, Natur Defizit Syndrom
ist kein medizinischer Ausdruck. Ich verwende ihn nur um einen
Zustand zu beschreiben der unsere Kinder und uns selbst betriff.
Für Kinder kommt Natur in vielen
Facetten daher. Ein Haustier das lebt und stirbt, ein
Wildwechsel im Wald, ein unheimlicher Sumpf, eine prachtvolle
Blüte, geheimnisvolle Ecken in einem verwilderten Grundstück –
welche Gestalt sie auch immer hat, sie bietet Kindern eine
ältere, größere Welt losgelöst von den Eltern.
Im Unterschied zum Fernseher raubt
Natur keine Zeit – im Gegenteil, sie verstärkt sie. Natur
fördert die Kreativität der Kinder, da sie nach Visualisierung
verlangt und den vollen Einsatz aller Sinne fordert.
Gibt man Kindern die Chance, so
tragen sie ihre Verwirrung aus der Welt in den Wald, waschen sie
in einem Bach, und wenden sie um zu sehen was auf der anderen
Seite der Verwirrung lebt. In der Natur finden Kinder Freiheit,
Fantasie und Privatsphäre: einen Platz weit weg von der
Erwachsenenwelt, einen eigenen Frieden.
Viele der heutigen Eltern wuchsen
mit den Geschenken der Natur auf und glaubten dass folgende
Generationen auch in den Genuss kämen. Was hat sich verändert?
„Ich spiele lieber drinnen, denn da
sind all die Steckdosen“ sagt ein Viertklässler. Sicher, vielen
Kinder biete die Natur noch Wunder. Aber für die Anderen ist in
der Natur zu spielen so….. unproduktiv, out, uncool, gefährlich
und dreckig. Was hat sich verändert?
Ich wuchs als Kind in Frankfurt
auf. Einer Großstadt! Und wir waren immer Draußen. Wir spielten
sogar Draußen als wir älter wurden! Die „Drinnenspieler“, das
waren die Seltsamen. Was hat sich verändert?
„Damals gingen auch unsere Eltern
noch raus! Das ist der Unterschied“ sagte mir ein Vater nach
einem Waldlauf. Sein Sohn knackte unterdessen den High Score von
Space Mutants 17. Was hat sich verändert?
Ein Junge sagte mir „Computer sind
wichtiger als Natur denn wo die Computer sind, da gibt es
Arbeit“ und „Ich habe zu wenig Zeit um raus zu gehen“. Was hat
sich verändert?
Ein zehjähriges Mädchen erzählte
von ihrem Platz „Da war ein Bach im Wald. Ich habe eine Decke
mitgenommen und durch die Bäume in den Himmel gesehen. Manchmal
bin ich eingeschlafen. Ich fühlte mich frei, konnte machen was
ich wollte und niemand hat mich gestört. Ich war jeden Tag dort“
Plötzlich hatte sie Tränen in den Augen und ihre Stimme wurde
leiser. „Dann haben sie die Bäume gefällt! Das war wie wenn sie
einen Teil von mir abschneiden“ Was hat sich verändert?
Eltern, Erzieher, andere
Erwachsene, Institutionen – unsere Kultur selbst – erzählt
unseren Kindern einerseits von den wundervollen Gaben der Natur.
Andererseits sagen viele unserer Handlungen und Nachrichten –
insbesondere die, die ohne Worte auskommen – genau das
Gegenteil.
Es sollte sich was verändern - denn
Kinder „hören“ sehr gut…
|